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Kinderpornointernetzensur 25. März 2009

Posted by sikk in Politik.
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Wenn Dummheit rollen würde, müssten heute einige Leute auch bergauf noch bremsen.

Frau von der Leyen gehört natürlich nicht dazu, die ist eine kluge Frau und möchte gerne Sperren einrichten, dass Leute, die auf gewisse (vom BKA festgelegte) Seiten surfen, stattdessen auf eine Stoppseite umgelenkt werden.

Welch ein Glück für die Kinder, die ja dadurch nicht mehr misshandelt werden. Oder zumindest kann man es jetzt nicht mehr sehen. Wäre es als nächster Schritt nicht sinnvoll, schalldämmende Fenster und Türen vorzuschreiben, damit man das Geschrei der misshandelten Kinder nicht mehr hört. Dann gibts auch weniger Beschwerden von Nachbarn und weniger Anzeigen – Ziel erfüllt.

OK, dieses Beispiel ist nicht wirklich fair, aber worauf ich hinaus will: Zensur dieser Internetseiten sorgt dafür, dass man es nicht mehr sieht, nicht dass es aufhört oder weg ist.

Ein kleines Beispiel zur Verdeutlichung: Was passiert denn, wenn jemand aus dem Ausland (beispielsweise ein Amerikaner oder auch ein Franzose) auf die Seiten zugreifen möchte? In seinem Land gibt es möglicherweise keine Sperre und so kann er auf die Seiten zugreifen, die ja trotz Sperre weiterhin in Deutschland angeboten werden(!). Nur wer bei einem deutschen Provider ans Internet angebunden ist, kann das nicht mehr so ohne weiteres.

Ohne weiteres ist übrigens nicht viel: Man nehme einen der unzähligen Proxyserver im Ausland und kann sofort wieder auf die Inhalte zugreifen. Wer es darauf anlegt, wird überdies natürlich zusätzliche Maßnahmen ergreifen. Sperren im Internet lassen sich immer umgehen, und wer es darauf anlegt, wird es auch schaffen. Darüber gibt es auch technische Gutachten.

Der wichtige Punkt dabei ist: Obwohl man von seinem Provider aus auf die Inhalte nicht mehr zugreifen kann, sind die Inhalte immer noch erreichbar, die Kinder werden weiterhin gequält.

Ich verstehe nicht, warum man die Seiten, die ja offensichtlich bekannt sind, nicht in spezieller Weise überwacht, herausfindet, wer die Betreiber sind (die im übrigen auch völlig ahnungslos sein können, weil Hacker in deren Rechner eingedrungen sein können), wer diesen Schund hochlädt und letzten Endes, wer ihn produziert. Das sind die wahren Schuldigen. Siehe Twister: Es könnte so einfach sein.

Interessanterweise wirft sogar der Kinderschutzverein der Familienministerin Verbreitung von Kinderpornografie vor.

Statt dessen wird eine Zensur-Infrastruktur geschaffen und festgestampft, die weit mehr zensieren kann als man derzeit zugeben möchte. Was zensiert wird, steht auf dieser ominösen Liste, die die Internetprovider innerhalb einer gewissen Zeit zu sperren haben. Sollten diese die Ziele überprüfen wollen, machen sie sich damit evtl. strafbar. Der normale Bürger hat nur dann die Möglichkeit festzustellen, welche Seiten blockiert werden, wenn die Liste irgendwann veröffentlicht wird. Dass dies passiert, steht ausser Frage, das ist anderswo bereits passiert (ich habe ja selbst darüber berichtet) und es wird wieder passieren.

Und dann wird man wieder feststellen, dass es diverse „Kollateralschäden“ gibt, die dummerweise mit auf die Liste gerutscht sind. Aus Dänemark darf man z.B. nicht auf eine niederländische Spedition zugreifen, in Australien hat es einen unbescholtenen Zahnarzt erwischt.

Halten wir also fest: Internetzensur bringt niemandem was, ist gefährlich, wird mit Sicherheit ausgeweitet. Trotzdem verweigern sich Politiker der Realität und dem gesunden Menschenverstand. Wie immer eigentlich.

Wer glaubt, dass Internetsperren gut für Kinder sind, ist entweder so schlau wie ein Stück Holz oder sehr sehr naiv.

Und dann muss ich auch noch sowas lesen: „Strafbarkeitslücken gibt es keine“, stellte Zypries klar. Es gehe um die Frage: „Wie können wir verhindern, dass deutsche Internetbenutzer auf ausländische Seiten gehen.“

Oh Mann. Ich höre jetzt auf. Mir reichts für heute.

Update:

Verdammt, ich muss doch noch weitermachen, es geht ja immer weiter hier.

Nun drängt auch noch uns Guttenberg zu einer schnellen Lösung.

Im Reizzentrum steht beschrieben, wie man mit diesen Filtern unliebsame politische Gegner angreifen kann.

Und Udo Vetter räumt mit der Lüge des Millionengeschäfts „Kinderpornografie“ auf.

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Kommentare»

1. just somebody - 26. März 2009

So langsam kommt mir das vor wie Bücherverbrennung. Nur eben digital. Lasst uns doch ein paar Bücher nehmen und ein kleines öffentliches Lagerfeuer machen ;-)

2. fifi blogt » blog archiv » internet-sperren sind reine symbolpolitik! - 26. März 2009

[…] artikel, die ich zur weiteren lektüre empfehlen möchte: kinderpornointernetzensur von sikk. gleiche stossrichtung in der argumentation wie ich, mit weiteren guten argumenten und […]


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