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Hey Innenminister 18. April 2011

Posted by sikk in Politik.
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Hey Innenminister,

gerade habe ich auf Spiegel-Online gelesen, dass die EU-Innenministerin Malmström unbedingt die Vorratsdatenspeicherung in Deutschland einführen möchte. Obwohl es natürlich auch andere Meinungen gibt, aber wen kümmern schon Expertenmeinungen, wenn man das Gefühl hat, das richtige zu tun? Oder Fakten, die belegen, dass die Vorratsdatenspeicherung keine Verbesserung darstellt?

Nun wird sie also doch noch kommen und die Handys, Telefone und E-Mail-Konten aller Menschen hierzulande werden überwacht, ob da nicht ein Terrorist ist, der Böses in Deutschland vor hat. Immerhin knapp 82 Millionen Verdächtige, genau wissen wir es wohl erst nach der diesjährigen Volkszählung. Hinzu kommen noch Touristen, die ja auch nach Hause telefonieren, da gibt es schon einiges zu tun die alle zu überwachen.

Um Ihnen die Arbeit etwas zu erleichtern, möchte ich Sie bitten, mich von der Vorratsdatenspeicherung auszuschließen, denn ich kann Ihnen versichern, kein Terrorist zu sein. Ganz ehrlich. Und es geht doch bei der Vorratsdatenspeicherung um Terroristen, oder?

Zwar bin ich aus der Kirche ausgetreten und gehöre sogar der Piratenpartei an aber ich bin ein Fan der körperlichen Unversehrtheit, achte die Würde des Menschen und finde Menschenrechte absolut wichtig. Sprich: Von mir geht keine Gefahr aus. Immerhin lassen sich auf diese Weise einige Datensätze einsparen: Drei Mobilfunktarife zum telefonieren, über die ich auch ins Internet komme, unzählige Mailaccounts (den Überblick habe ich selbst längst verloren) und noch zwei Tarife meines Arbeitgebers (Blackberry und Firmen-UMTS). Das ist doch schon mal was. Und überhaupt glaube ich nicht, dass mein Arbeitgeber sich freut, dass unsere Kundenkontakte extern gespeichert werden.

Meine Frau können Sie bei der Gelegenheit auch streichen. Die kann zwar manchmal ganz schön gemein sein, aber auch wirklich nur manchmal, weil ich mal abnehmen sollte, aber da bin ich ja selbst schuld. Sonst ist sie ganz lieb und tut keinem etwas zuleide.

Unsere Tochter ist erst zwei Jahre alt, die kann noch nicht mal richtig sprechen, geschweige denn selbständig telefonieren oder gar üble Pläne schmieden. Lügen kann sie aber schon, sie streitet ab, Kacka gemacht zu haben, obwohl sie die einzige ist, die streng riecht. Vielleicht wird sie irgendwann mal im Supermarkt klauen oder auf dem Schulweg heimlich rauchen um Ihren Freundinnen zu imponieren, aber all das macht sie ja nicht zu einer Terroristin, oder?

Übrigens kann ich auch meine sonstige Familie und die meiner Frau ausschließen: Unsere Eltern sind über 70 und unsere Geschwister sind auch ungefährlich. Ganz bestimmt.

Und wenn wir schon dabei sind: Es gibt in meinem Bekanntenkreis überhaupt niemanden, der zum Terrorismus fähig wäre. Echt, mir fällt keiner ein und ich kenne ziemlich viele Leute. Können sie die auch alle streichen? Und die Bekannten meiner Frau auch? Nein, die kennt auch keinen Terroristen.

So, das dürften dann schon so einige hundert Leute sein. Ist doch toll, wie leicht man Daten einsparen kann, oder?

Ich wette, auch keiner meiner Bekannten kennt Terroristen. Zugegeben: Dafür kann ich meine Hand nicht ins Feuer legen. Aber wozu haben wir denn eine Unschuldsvermutung?

Also Innenminister: Mit wenigen Worten schon ein paar tausend Verdächtige ausgeschlossen, ist das nicht super? Daten gespart ohne Sicherheit einzubüßen. Sie können ja auch mal in Ihrem eigenen Bekanntenkreis nachschauen, ob Sie da jemanden ausschließen können. Sie selbst unterliegen ja auch nicht der Speicherungspflicht, denn Abgeordnete sind ja von dieser Regelung ausgeschlossen genau wie beispielsweise Seelsorger und Ärzte. Bei denen allerdings aus guten Gründen, wie ich anfügen möchte.

Wäre das nicht total supi, wenn wir noch mehr Leute per default ausschließen könnten? Wie wäre es mit Unionsmitgliedern? Die sind doch sowieso die Guten und können kein Wässerchen trüben. Genau wie Christen im allgemeinen: Wer gläubiger Christ ist, darf getrost von der Liste der Übeltäter gestrichen werden. Gläubige Christen erkennt man natürlich daran, dass sie Ihre Kirchensteuer bezahlen. Oder Unionsmitglieder sind. Am besten beides gleichzeitig.

Überlegen wir mal weiter: Was glauben Sie, Innenminister, wie viele Terroristen Ihre eigenen Handys zur Planung von Anschlägen nutzen? Ich sage: Gar keiner, die nehmen doch geklaute Handys, oder? Hey, wir können alle von der Liste streichen, die mit ihrem eigenen Handy telefonieren!

Da bleiben doch kaum noch welche übrig! Sollten wir dann nicht einfach eine andere Liste machen, auf der nicht pauschal jeder drauf steht, sondern nur eine Liste mit als gestohlen gemeldeten Handys? Und falls es doch mal einen Terroranschlag geben sollte gibt es ja immer noch das Quick-Freeze-Verfahren.

Und wissen Sie was? Dann können wir uns auch den Quatsch mit der Liste gestohlener Handys sparen…

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